Eröffnung des Gewächshauses

Rede des Vorsitzenden Winfried Nehe vom 19.04.2013 zur Eröffnung des Gewächshauses.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

es freut mich, Sie heute im Namen des Vorstandes und der Mitarbeiter unseres Sozialen Ökohofes St. Josef zur Einweihung unseres Gewächshauses mit Gemüsehalle sowie des Projektes „Junges Gemüse-Expedition ins Biogewächshaus“ begrüßen zu dürfen.

Ganz besonders freue ich mich über das Kommen von Frau Mersmann als Vertreterin von Herrn Landrat Winter. Wenn jemand ein offenes Ohr für Sozialeinrichtungen hat, dann bist Du es, liebe Uschi. Ebenso gerne begrüße ich unseren stellv. Bürgermeister Hermann Nehe, den Ortsbürgermeister Gerd Geiger und den Sozialausschussvorsitzenden Lukas Kampeling, die als Trio gekommen sind.

Eigentlich müsste ich Sie alle namentlich willkommen heißen, ob Freunde, Nachbarn, Gönner, Mitglieder und Sponsoren, am Bau beteiligte Handwerker und Firmen, Planer, Vertreter der Pfarrgemeinde St. Josef, Vertreter der Grundschulen, Kindergärten, der benachbarten sozialen Einrichtungen, Verbände, Arbeitsagentur, Presse und der Sparkasse Emsland...

Ich sage aber einfach nur: Herzlich willkommen und Dankeschön, dass Sie durch Ihren Besuch sich für den Dienst des Menschen mit Behinderung interessieren.

Meine Damen und Herren,

unser Sozialer Ökohof St. Josef e.V., der vor 24 Jahren unter Federführung unseres Pastors Weusthof gemeinsam mit Bernd Heyen als damaligen Vorsitzenden und Bernd Jordan als unserem auch noch heute ehrenamtlichen Geschäftsführer gegründet wurde, beschäftigt heute rd. 70 Menschen und bietet in einem sehr breiten Spektrum Tätigkeiten an, die unterschiedlichste Fertigkeiten erfordern.

Die heute einzuweihenden Räumlichkeiten bieten freundliche Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter, die im Wirtschaftsleben nur selten Fuß fassen können, aber dennoch ihre persönliche Lebensgestaltung durch berufliche Arbeit in die Hand nehmen möchten.

Der Soziale Ökohof, der auf der Basis eines christlichen Menschenbildes ausgerichtet ist, ermutigt zu einem Leben in eigener Verantwortung und ermöglicht Erfahrungen in der Arbeitswelt, die das Selbstvertrauen in das eigene Können stärken. Arbeit gibt uns mehr als den Lebensunterhalt. Sie gibt uns oft einen wichtigen Sinn für das Leben. Und sie verschafft uns Anerkennung in der sozialen Gemeinschaft. Unser Grundgedanke am Ökohof legt fest, dass jeder Mensch das Recht und die Pflicht hat, nach seinen Fähigkeiten am Arbeitsleben teilzuhaben. Und wir möchten erreichen, dass die gemeinsame Arbeit von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten jedem nützt, der Ausgrenzung von einzelnen Personen bzw. Gruppen entgegenwirkt und das Zusammenleben aller Menschen in Frieden und Gerechtigkeit fördert.

Unsere Ziele sind

  • die Qualifizierung von arbeitslosen Menschen für den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt
  • und die Einbindung von Menschen mit Behinderung in vielfältige produktive Prozesse vor allem für die Bereiche Landwirtschaft, Hühnerhaltung, Hauswirtschaft und Landschafts- und Gartenbau.

Bei dieser Arbeit werden wir u.a. hauptberuflich durch ein Team von Projekt- und Werkstattleiter, Fachanleitern, einer Sozialpädagogin und durch z.Zt. 30 ehrenamtlich tätige Männer und Frauen unterstützt.

Der Ökohof versucht, sich neben den unterschiedlichsten Förder- und Arbeitsprogrammen weitestgehend selber für seine Arbeit Finanzmittel zu erwirtschaften. Wir tun jedoch nicht etwas, weil es wirtschaftlich ist, sondern wir tun das Notwendige so, dass es wirtschaftlich möglich ist. Aus diesem Grunde wurde auch dieses heute einzuweihende Projekt geplant und gebaut, um noch besser am Markt bestehen zu können.

Wir danken allen Sponsoren, hiesigen Stiftungen, Gruppierungen und Firmen, die uns in großzügigster Weise finanziell oder durch tolle Sachspenden wie z.B. Küche oder Mobiliar bei diesem ca. 750.000 € teuren Projekt geholfen haben. Ein Dank der Stadt, die uns unbürokratisch schnell durch einen Zuschuss ein Stück der finanziellen Lasten abgenommen und für unseren Sozialen Ökohof immer ein sehr offenes Ohr gezeigt hat. Ein besonderer Dank gilt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, die mit 125.000 € unser wohl in Niedersachsen einmaliges Bildungsprojekt „Junges Gemüse - Expedition ins Gemüsegewächshaus“ unterstützt hat.

Ich darf hier mit besonderer Freude unseren ehemaligen Papenburger Bürger Thomas Pyhel als Vertreter der DBU begrüßen. Er war es, der uns Mut machte. Herr Pyhel wird sicherlich gleich noch einige Worte an uns richten. In diesem Zusammenhang möchte ich auch der Bremer Firma Petri & Tiemann danken, die uns ein tolles Konzept zu diesem Projekt gestrickt und dann auch umgesetzt hat. Ich darf hier die Damen Gesi und Schacht willkommen heißen, die uns gleich kurz das Vorhaben noch erläutern werden. Petri & Tiemann ist ein Unternehmen, das u.a. die Konzeptionen vom Klimahaus Bremerhaven, Experimenta in Heilbronn oder auch Junior Campus der BMW-Welt München mit entwickelt und gebaut hat.

Habt Dank ihr fleißigen Handwerker aus den Niederlanden und aus Papenburg und Umgebung. Sie haben dazu beigetragen, dass wir heute alles fertig haben, trotz des durchaus großen Zeitdrucks und auch manchmal aufgetretener Probleme... Es war eine gute auch grenzübergreifende Erfahrung.

Dank aber auch unseren Anleitern und Mitarbeitern, die nicht nur die Gewächshäuser bepflanzt und unermüdlich an der Fertigstellung des Projektes mitgewirkt haben. Ohne das Engagement unserer qualifizierten Fachkräfte wäre eine gute Betriebsführung noch die Betreuung nicht möglich.

Schließlich gilt mein besonderer Dank auch meinen Vorstandsmitgliedern und unserem ehrenamtlich tätigen Geschäftsführer Bernd Jordan sowie Projektleiter Dr. Andreas Menger und natürlich an die Vertreter der Sparkasse Emsland, die einen Weg gefunden haben, damit der Vorstand die für den Sozialen Ökohof verbleibende finanzielle Last richtig auf den Schultern tragen kann.

Lassen Sie mich auch heute besonders unserem Pastor Gerit Weusthof danken, dem Vater dieser Einrichtung. Seit ich Verantwortung im Vorstand übernommen habe merke ich, wie sein Herz für unsere benachteiligten Menschen und für diesen Ökohof schlägt. Wir können nur hoffen, dass er uns noch lange in Papenburg zur Verfügung stehen kann. In ihm und durch ihn erfahren wir tagtäglich aufs Neue, was lebendige Kirche in der heutigen Zeit wirklich bedeutet.

Ich weiß, er nimmt nicht gerne Geschenke an. Aber wenn wir ihm ein Geschenk für seinen unermüdlichen Einsatz machen wollen, dann gehen wir alle am 30. April zum Open End am Graderweg aus Anlass der 40 Jahrfeier St. Josef. Wir helfen ihm damit, seine Wette gegen unseren Bürgermeister zu gewinnen, nämlich, dass der gesamte Graderweg mit Tischen und Gästen bestückt ist.

Lassen Sie mich letztlich ein ganz herzliches Dankeschön unserem Ehrenvorsitzenden Hans Wilhelm Blohm aussprechen. Er hat unermüdlich nicht nur für diese Baumaßnahme geplant, den Architekten übernommen und alles überwacht. Sein ehrenamtliches Engagement ist mit Geld nicht zu bezahlen. Ebenso auch das von Bernd Heyen nicht, der immer wieder auf der Suche nach Sponsoren ist. In beiden Ehrenvorsitzenden hat der Soziale Ökohof ein besonderes Glück.

Meine lieben Gäste, wir dürfen uns heute freuen, dass mit der Erweiterung dieser neuen Betriebsstätte eine zusätzliche Lücke zu verbesserten Arbeitsbedingungen geschlossen werden konnte.

Nichtbehinderte wissen oft wenig über Gehandikapte. Sie wissen wenig über ihre wirklichen Probleme und wenig über ihre Fähigkeiten oder ihren Lebensmut. Deshalb kann man nicht genug unseren hauptamtlichen Mitarbeitern danken für ihr Engagement und ihre Geduld, denn sie stehen tagtäglich diesem Personenkreis helfend und liebevoll gegenüber.

Es ist schön zu wissen, dass auch Sie alle, die sie heute zu uns gekommen sind, diese doch sehr schöne Arbeit unterstützen.

Durch die Art unserer wirtschaftlichen Tätigkeit möchte der Soziale Ökohof aber auch ökologische Grundsätze bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln mit der Einbindung von Menschen mit Behinderungen und der Qualifizierung und Beschäftigung von langzeitarbeitslosen Menschen kombinieren.

Der Soziale Ökohof St. Josef e.V. hat sich den anspruchsvollen Grundsätzen des Bioland Verbandes zum ökologischen Landbau verschrieben, die über die Anforderungen der EU-Bio-Verordnung deutlich hinausgehen. Er ist seit 1992 anerkannter Biolandbetrieb. Unter anderem wachsen auf über 3 ha Freiland- und jetzt rd. 4000 qm überdachte Flächen bis zu 32 vorwiegend heimische Gemüsesorten. 2.700 Legehennen leben bei uns auf dem Hof in Bio-Haltung draußen und drinnen und werden mit nach Bioland Richtlinien erzeugten Futtermitteln gefüttert. Die Nachfrage nach Erzeugnissen vom Ökohof ist groß. Diese werden u.a. im eigenen Bioladen, auf dem Wochenmarkt oder sogar per Internet im Rahmen der Abokiste vertrieben.

Die neue Gemüsehalle bietet unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jetzt optimale Arbeitsbedingungen und schafft somit auch alle logistischen Anforderungen für Aufträge, die wir zur Zufriedenheit unserer Kunden ausführen wollen.

Aus Anlass der heute zu eröffnenden Erweiterung unserer Anbauflächen für Gemüse haben wir aber zugleich die Möglichkeit gesehen, auch die Umweltbildung weiter ins Zentrum unserer Arbeit zu rücken.

Mit dem wohl für Norddeutschland einmaligen Projekt „Junges Gemüse - Kinder auf Expedition im Bio Gewächshaus“ sollen Kinder auf Entdeckungstour im ökologischen Gemüseanbau gehen und in diesem Rahmen gesunde Ernährung und umweltbewusstes Handeln kennenlernen. Das Besondere am „jungen Gemüse“ ist, dass die Kinder sich auf einem Gemüsebaubetrieb befinden, genauer gesagt, mitten im Gewächshaus.

Uns war es wichtig, den Kindern einen emotionalen und auch individuellen Zugang zu den relevanten Themen des ökologischen Gemüseanbaues zu geben. Auf diese Weise wurde sowohl ein Bildungs- als auch ein sozialer Erlebnisort geschaffen, in denen das ganzheitliche Lernen und das „nachhaltige Erlebnis“ im Vordergrund stehen.

Das Projekt ist langfristig angelegt und soll sukzessiv weiterentwickelt werden. Eine Projektvernetzung mit Bildungseinrichtungen, wie dem regionalen Umweltbildungszentrum und der Historisch Ökologischen Bildungsstätte, ist gewährleistet.

Ich glaube, dass unsere neu geschaffene Einrichtung eine sehr wichtige und interessante Anlaufstelle gerade auch für auswärtige Schulgruppen als Kooperationsstandort im Rahmen der Landesgartenschau 2014 hier in Papenburg sein kann.

Wir meinen: Nachhaltigkeit lässt sich erlernen: Eine erlebnisorientierte und kindergerechte elementare Umweltbildung ist das Ziel dieses Bildungsangebotes auf unserem Sozialen Ökohof. Hier trifft „Junges Gemüse junges Gemüse.“

Erlauben Sie mir, dass ich an dieser Stelle noch eine ganz persönliche Erinnerung anbringen möchte:

Meine Damen und Herren, bevor ich gleich einige unserer Gäste um ein Grußwort bitte möchte, darf ich jetzt Frau Gazey von Petri & Tiemann bitten, uns das Projekt kurz zu erläutern. Parallel dazu haben wir schon jetzt eine erste Schulklasse der Mühlenschule zu Gast, die auf Expedition ist. Wir werden sie nach Beendigung der Eröffnung auch erleben können.